Frauen…

Wieso tut sie das? Sie muss doch wissen, dass… Ach nein, eine Frau weiß nicht, sie fühlt ja. Aber es geht doch gar nicht. Oder doch? Ich muss jemand um Rat fragen, wieso sie das tut, wieso sie das tun kann. Nur wer könnte es wissen? Der? Nein, ist ein Mann. Oder doch die? Kann es nicht erklären. Aber wer könnte? Genau, am besten jemand wie Angela Merkel. Die ist eine Frau UND eine Physikerin.
Wie bitte? Was los ist?

Äh, hmm, Sie haben ja recht, Entschuldigung. Ich bin noch etwas verwirrt von ihr. Nein, nicht von Frau Merkel. Jetzt lassen Sie mich doch erst mal zu mir kommen. Ganz langsam. Gaaanz ruhig. Ommmmmm.

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Also: Es war diese Frau, heute früh auf dem Weg zur Arbeit. Die mir entgegenkam (natürlich die Frau).  Ich hatte den Kopf etwas hochgenommen, um die Mütze wieder richtig über die Ohren zu ziehen. Bei 18,2 Grad minus schmerzt schließlich gleich jeder entblößte Quadratmillimeter Haut. Und da kam sie, SIE. Obenrum korrekte Michelin-Männchen-Form wie wir alle aus fünf bis sieben Kleidungsschichten. Dann zwei Handbreit Rock und darunter – darunter ein Wollstrumpfhöschen, eher transparent dünn als wollig dick. Schock, schnatter, bibber – ein Schreckmoment wie ein kalter Wasserstrahl fürs abzuschreckende Ei.  Ja, genau: Abgeschreckt im doppelten Sinn des Wortes. Sie hatte wahrscheinlich schöne Beine. Aber nicht bei 18,2 Grad minus in hauchdünnen Wollfädchen. Das sieht einfach zu kalt aus um schön zu sein.

Oder für Frauen gilt eine andere Physik. Am Wollstrumpfhöschen-Tag sind nicht 18,2 Grad minus, sondern es steht nur so auf dem Thermometer. Das gute Gefühl mit sich ist Realität, alles andere nur ein Messwert. Deshalb sind sicher für Frau auch 18,2 Grad minus bei Sonnenschein wärmer als bewölkte 18,2 Grad minus.
Frau Merkel übernehmen Sie: Wie lautet die Formel für die Relativitätstheorie femininer Thermophysik? 370 Meter weiter war mein inneres Frösteln fast weg. Um die Ecke kamen – na klar, zwei Frauenbeine in praktisch unsichtbarer Sommerverpackung…

Ich bin inzwischen heftig erkältet, die beiden wahrscheinlich nicht. Aber jetzt bitte keine Schlussfolgerungen für meine künftige Kleiderordnung an Frosttagen.

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Heveling bisschen Recht geben?

Frag´ mal einen Pendler „Bist Du Teil der Automobilistengemeinde?“ Die Antwort dürfte irgendwo zwischen“Häh?“ oder „Was rauchst Du denn für ein Zeug?“ liegen. Ok, blöde Frage, nächste Frage: „Bist Du Teil der Netzgemeinde?“ Schon anders.
Voll vernetzt zu sein, soll sich immer noch so anfühlen wie einer der Autopioniere zu sein, der von oben herab ängstliche, bewundernde und verärgerte Blicke der altmodischen Fußgänger genoss. Leider liegt die wirkliche Pionierzeit des Netzes schon arg weit zurück. Deshalb braucht  jetzt die gewünschte Distanz zum Fußvolk etwas eigene Erhöhung etwa als „digital native“ und Erniedrigung des anderen: Der „Internetausdrucker“ eben.

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Vergangene Woche durfte „die Netzgemeinde“ damit mal wieder so richtig um sich werfen. Ein bisher unbekannter CDU-Bundestagsabgeordneter hatte kräftig, aber dumpfbackig gegen sie in die Tasten gegriffen. Ganz klar sagt der geschwollene Text im Handelsblatt nicht, was er meint. Irgendwas mit Rechten der Urheber im Internet kam vor (ob´s deswegen wenigstens für eine kleine Parteispende  reicht?) und dass es Regeln bräuchte und das ganze Gedöhns mit Blogs und so für ihn, die Welt und mindestens die nächsten drei Sonnensysteme nicht so relevant sei. Zu schwülstig und wirr formuliert mit vergossenem „digitalen Blut“, um wirklich ernstgenommen zu werden. Vielleicht war er auch nur noch beleidigt, dass mal eine gründliche „Schwarmintelligenz“ im Internet einen selbstfreiherrlich promovierten Politikdarsteller der CSU entdoktert und entministert hatte.

Auf jeden Fall funktionierten die Reflexe der „Netzgemeinde“, also kein gelassener Spott oder schnelle, sachliche Abwatschung. Nein, stattdessen viel grundsätzliches Gekreisch und Gezeter nebst digitalem Hausfriedensbruch und Vandalismus (schön verbrämt mit dem Begriff „Hack“) – eben alles was einen „Shitstorm“ ausmacht. Als ich mal kurz auf ihn draufgeschaut habe, rauschten so aparte Fladen wie „Rattenpack“ oder „Wird´s Zeit für eine neue RAF“ vorbei. Shitstorm, Shitstorm, aha. Dass jemand auch noch stolz darauf ist, an einem anschwellenden Sturm aus Scheiße beteiligt zu sein…

Was ist eigentlich mit dem Hack der Abgeordnetenseite? Gab es wenigstens irgendwo wenigstens ein bisschen Kritik daran? Ich habe auf die Schnelle nicht gefunden, dass sich jemand an der Attacke auf die Webseite gestört hätte. Motto: Ist ja einer von den Internet-Ausdruckern, da darf man das. Wenn ich das dann mal in die reale Welt übertragen dürfte: Einbrecher schlagen Türen und Fenster eines bewohnten Hauses ein, zerlegen die Einrichtung und sprühen noch ein paar verächtliche Parolen an die Wände. Sei aber ok, weil der ein Weltbild hat, das mir nicht passt.
Bleib´ mir weg von wegen „Er hat ja nur seine Seite nicht gut genug gesichert.“ Im echten Leben willst Du nach einem Einbruch auch nicht hören, dass Du selbst schuld wärst, nur weil Dein Haus nicht so gesichert war wie die CIA-Zentrale. Da diskutierten ja die Grünen in ihrer allerradikalsten Frühphase noch nachdenklicher über Gewalt gegen Sachen.

Butter bei die Fische: Will „die Netzgemeinde“ jetzt ein ernstzunehmender Player in der Welt sein oder nicht? Wenn ja, können auch die lautstärksten Web-Bewohner die Regeln der Welt nicht ignorieren – egal, ob es um Hacken, schwarz Saugen oder Schlimmeres geht (nonchalentes Achselzucken über die Freiheit des Netzes, wenn Nachbars Tochter risikolos als Nuttenschlampe gegossipt wird).
Und an diesem Punkt hat unser CDU-Bundestagsabgeordneter leider wenigstens zwei Sätze lang ein bisschen recht:
„Natürlich soll niemandem verboten werden, via Twitter seine zweite Pubertät zu durchleben. Nur sollte man das nicht zum politischen Programm erheben.“

Eine von der echten Welt unbehelligte Spielwiese mit Freiheit selbst für pöbelnde Halbstarken-Banden lässt sich mit allen programmatischen Verbiegungen nicht begründen, wenn die Netzgemeinde gleichzeitig ganz hart in der echten Welt den Sturz von Diktatoren und falschen Doktoren befördern kann. Wer im RL was bewirkt, kann sich dem RL und damit auch dessen Wertvorstellungen und Regeln nicht entziehen – dagegen helfen noch so viele Stürme aus Scheiße nicht.

Wenn einer mal wieder nicht alle Spielarten von Saugen und Facebook  gaaaanz toll findet, heißt es gleich „Der hat das Wesen des Internets nicht verstanden“. Dieser Wunsch, das Wesen des Internets möge doch bitte, bitte wieder diese alte unbehelligte Spielwiese der Pubertät sein, erfüllt sich in Zeiten von kaufbaren Facebook-Freunden und SEO nicht mehr. Wenn die Jungs so groß geworden sind, dass sie Erwachsene weghauen, hauen die zurück. Etwa, wenn jemand für umsonst abgreifen will, wovon andere leben wollen.

Für die  Gewissensberuhigung macht es sich natürlich ganz prima, die böse und tatsächlich gerne unkreative Musiklizenzindustrie vorzuschieben. Gemeinerweise haben aber auch unkreative Menschen recht, wenn sie Rechte haben. Außerdem haben nicht nur pöse Lizenz-Haie in den fernen USA Anspruch auf Entgelt, sondern – pöse Realität – auch ganz normale Leute, die mit ihrer kreativen Arbeit mehr als 2000 Euro pro Monat für Miete und ihre Familie ranschaffen müssen. Unerwünschtes Kopieren bleibt für die leider Wegnehmen (eine Konzertkarte für den hier anklickbaren Ausnahmekönner kaufen und den Rest Kopieren, hätte für ihn und seine Familie das wirtschaftliche Aus bedeutet, und selbst ein Kino würden die paar Popcornkäufe der Karten-Schnorrer nicht vor der Pleite retten). Klingt unangenehm? Klingt unbequem? Such is life, real life.

Jetzt müsste sich nur noch andersrum das RL bei seinem Umgang mit dem Netz an die RL-Maßstäbe erinnern, denn wer 30 km/h zu schnell fährt, bekommt ja auch „nur“ Punkte und nicht den Staatsanwalt auf den Hals.

P.S.: Zum angeblichen Disqualifiziertsein des CDU-lers als Mitglied der Enquete-Kommission für Internet und Digitale Gesellschaft: Für die Kommission disqualifiziert hat er sich mit seinen pseudohistorischen Argumenten – nicht damit, dass er vieles am Webwesen zu kritisieren hat. Oder will jemand eine Enquete-Kommission zum Finanzsystem, in der nur Hedgefonds-Manager und Investmentbanker sitzen?

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Stimmungsbilder

„Die … eingegangenen Stimmen bestätigten die gute Aufnahme der letzten Sendung „Schnick-Schnack am Wochenende“, doch wird der weitere Ausfall der Sendung im allgemeinen nicht bedauert.“

„Dem Höflichkeitswettbewerb (in Berlin) wird nur ein vorübergehender Erfolg zugebilligt. Nach der Preisverteilung würden die betreffenden Kellner und Schaffner wohl wieder genauso unhöflich sein wie vorher auch. Die Durchführung des Wettbewerbes zur Ermittlung des höflichsten Berliners werde verschiedentlich mit amerikanischen Methoden in Vergleich gesetzt.“

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„Aufgrund der hohen Schätzungspreise werde von Kunstinteressierten vielfach die Meinung vertreten, dass man besser erst gar nicht zur Versteigerung hinfahre, da man nicht mehr von einer „zwangsläufigen“ und „natürlichen“ Entwicklung des Kunstmarktes sprechen könne. Solche Preise würden sich nicht „entwickeln“, sondern würden offenbar „gemacht“. Man gewinne dabei den Eindruck, dass es einem gewissen Teil des Käuferpublikums nur darauf ankomme, Kapital anzulegen und dass künstlerische Gesichtspunkte häufig erst in zweiter Linie eine Rolle spielten.“

„…dass eine Abnahme im Gebrauch von Schlafmittel nicht eingetreten sei. Es liegen sogar einzelne Meldungen vor, die von einem sich steigernden Verbrauch sprechen. … Es könne beobachtet werden, dass das Publikum auf die ausgestellten Rezepte täglich derartige Präparate hole.“

„Wie von verschiedenen Kreditinstituten berichtet wird, verstärkt sich die Nachfrage nach Heimsparbüchsen immer mehr. Leider können diese Wünsche des Publikums zur Zeit nicht erfüllt werden, da die Vorräte an Sparbüchsen bei fast allen Sparkassen fast restlos aufgebraucht sind. Die anstelle der gegenwärtig nicht herstellbaren Metalldosen angefertigten Holz- oder Porzellandosen sind ebenfalls nur unter Schwierigkeiten zu beschaffen, da die Herstellerfirmen Lieferfristen von 6-7 Monaten zur Bedingung machen.“

„Die (Bahn-)Abteile für Mutter und Kind wären nur auf ganz wenigen Strecken von außen kenntlich gemacht gewesen. Auch wären die Abteile häufig durch andere Reisende schon besetzt gewesen, die nicht immer die erforderliche Zurückhaltung bei der Freigabe der Plätze gezeigt hätten. … Von älteren Leuten sei allgemein darüber geklagt worden, dass ihnen Plätze nur von Soldaten, nicht aber von jungen Zivilisten eingeräumt wurden.“

„Die Menschenschlangen vor den Geschäften und auf den Märkten und die damit verbundenen unliebsamen Begleiterscheinungen haben in starkem Maße zugenommen. Dabei ist es in den größeren Städten oftmals zu tätlichen Auseinandersetzungen gekommen, die vielfach ein polizeiliches Eingreifen notwendig gemacht haben.

„…wird eine gewisse gedrückte und unzufriedene Haltung weiter Bevölkerungsteile gemeldet, die ihren Niederschlag nicht allein in allgemeinen Schimpfereien und an der Kritik an dem angeblich viel weniger eingeschränkten Lebenswandel einzelner führender Persönlichkeiten finde, sondern in der Tatsache, dass die politischen Witze, die schon immer in verhältnismäßig großer Anzahl verbreitet waren, langsam anfangen, auch den letzten Rest an Humor zu verlieren und daher nahezu ausschließlich durch ihre Gehässigkeit zu wirken versuchen.“

„…wurden besonders gelobt die Sendungen „Wie es Euch gefällt“ und als geschmackvoll und ausgezeichnet zusammengestellt „Für jeden etwas“. Dankbar und beifällig begrüßt wurde die Übertragung der Operette „Die oder keine“.

…Einheitlich wird berichtet, dass die Ausländer die deutsche Frau durchweg als „Freiwild“ ansehen, wenn auch bekannt ist, dass die deutschen Frauen es offenbar häufig an der nötigen Charakterfestigkeit und am Rassebewusstsein fehlen lassen. … Der Geschlechtsverkehr deutscher Frauen, der namentlich auf dem Lande mit polnischen Kriegsgefangenen und Zivilarbeitern häufig festgestellt worden ist, ist durch die zahlreichen Todesurteile offenbar stark eingedämmt worden. Die hier ergriffenen strengen Maßnamen werden von der volksbewussten deutschen Bevölkerung freudig und mit Genugtuung begrüßt. Es wurde jedoch von ihr immer wieder gefordert, dass auch die beteiligte Frau strenger bestraft werden möge. Bei Bekanntgabe von Todesurteilen sei es daher häufig zu Äußerungen gekommen wie „Da sollte man die Frau gleich dazuhängen.“

Interessant, was die deutsche Bevölkerung damals so begrüßte.
Die Meldungen stammen aus dem Jahr 1942. Zusammengetragen hat sie der SD, ein aus der NSDAP hervorgegangener Inlandsnachrichtendienst, der mangels Umfrageinstituten auch die Aufgabe hatte, das NS-Regime über die Stimmungslage in der Bevölkerung zu informieren. Nachzulesen bei: Boberach, Heinz (Hrg.): Meldungen aus dem Reich. Die geheimen Lageberichte des Sicherheitsdienstes der SS 1938-1945. 17 Bde. Herrsching 1984
Es kann sich dort jeder sein Bild machen. Kommentare erspare ich mir, da ohnehin die meisten nur das finden wollen und rauslesen, was ihre vorgefasste Meinung bestätigt. Wird bei diesen Stimmungsbildern aber schwer werden.

(zitierte Stellen Bd.10, S. 3711, 3720, 3854, 3878, 3764f, 3800, 3918, 3852, 3733, 3761)

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Das Monströse weglabern

Wie mag es sich anfühlen, das eigene Kind begraben zu müssen, das man zuvor 13 Jahre lang nicht mehr gesehen hatte? Wie mag es sich anfühlen, damit warten zu müssen, bis ein Staatsanwalt die Leiche freigibt, bis ein heimlicher Ort zu verschwiegener Zeit für den Abschied gefunden ist, und die Trauer dann von der Scham zerfressen wird, weil das Kind, das man nie mehr lebend gesehen hatte, viele Menschen getötet haben soll? Niemand weiß, wie sich die Eltern der beiden Männer fühlen, die vermutlich die schlimmste rechtsterroristische Mordserie seit Jahrzehnten begangenen haben.
Eine Ahnung davon gibt die nur wenige Sekunden lange Filmsequenz des Vaters eines 19-Jährigen: Der Mann blickt von Weinkrämpfen geschüttelt aus einem Fenster auf den Erfurter Domplatz, wo hunderttausend die 16 Menschen betrauern, die sein Sohn innerhalb weniger Minuten erschossen hatte, ehe er sich selbst tötete. Niemand weiß, ob sich die Eltern der beiden Uwes aus Jena so fühlen werden, wenn sie am 23. Februar die Übertragung der Gedenkfeier für die zehn Toten sehen.

Mag glauben wer will, dass Eltern ihre Kinder bis zum weißderhimmelwievielten

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Lebensjahr beherrschen und steuern könnten. Tatsächlich weiß keiner, wie hart diese Eltern um ihre Kinder gekämpft haben. Wie bitte? „Es geht alles, wenn man nur will“. Ah ja. Zuviel „Tschaka“-Kurse mitgemacht oder gehen Sie auch heute noch am Händchen ihrer Eltern?

Und wie mag es sich anfühlen, seinen Vater beerdigen zu müssen, und ständig vernommen zu werden, ob er nicht doch einem Delaer- oder Zuhälterring angehörte, bloß weil er wie bei einer Mafia-Hinrichtung erschossen wurde? „Sagen wir doch schon immer – die Ermittler sind auf dem rechten Auge blind“ tönt der gewohnt selbstgewisse Chor von mehr oder weniger weit links der Mitte.
Jetzt wissen sie es natürlich ganz genau und bestätigen sich gegenseitig an der Grenze zur Selbstgefälligkeit in Vorurteilen und Verschwörungstheorien über Verfassungsschützer und mutmaßliche Geheimdienstler aus aller Herren Länder und Galaxien. Aber ehrlich – hatte irgendjemand die Morde, als sie noch „Döner-Morde“ hießen, als rechtsextremistische Verbrechen vermutet? Von dem bayerischen Polizei-Profiler, der diese Hypothese hatte, dringt doch erst jetzt etwas in die Öffentlichkeit.

Hat sich wirklich jemand damals vorstellen können, dass Menschen einfach so erschossen werden, nur weil sie südländisch aussehen? (Menschen, die „deutscher“ lebten und arbeiteten als oberdeutsche Geiferer, die unter dem Deckmäntelchen „politische Inkorrektheit“ forenfüllend ihre bösen Komplexe ausleben). Wie viele der „Ich-hab-es-doch-schon-immer-geahnt“-Wissenden hatten wirklich das im wahrsten Sinn des Wortes Undenkbare gedacht? Wahrscheinlich so wenige, wie es am Morgen des 26. April 2002 für möglich hielten, dass nach 38 Jahren gleich wieder ein Mensch einfach so mordend durch eine Schule zieht [zu 1964 siehe Ursula-Kuhr-Schule, zu 2002 Gutenberg-Gymnasium Erfurt].

Auch damals trat das unvorstellbar Monströse plötzlich als echte Realität auf – und verschwand für alle, die nicht Hinterbliebene waren, wieder hinter den Scheindebatten der Rechthaber. (Fast) alle wussten ganz genau, woran es lag und welcher ihrer Talkshow-Rivalen daran schuld war. Jetzt bestätigen sich die einen in ihrem immergleichen „Der Schoß ist fruchtbar noch“, das weder Gleichgültige noch Gegner erreicht. Die Ressentiment- und Hassgeladenen von rechts verschanzen sich hinter wirren Verschwörungstheorien und ducken sich ab, so wie hier nach den Morden von Breivik plötzlich die Bemühungen abrissen, ein bestimmtes Blog zu pushen.

Kleine Hoffnungsschimmer irgendwo? Der Ehrgeiz der Ermittler – gespeist aus zutiefst verletztem Berufsstolz von Männern, die sonst vor „Professionalität“ schier platzen. Selbst aus ihrer Spitzenebene kam ein ungewohnt einfaches, un-unwulffsches und ehrliches Eingeständnis: „Die Sicherheitsbehörden haben eine Niederlage erlitten“ und „Wir haben ihren Hass unterschätzt.“ (Verfassungsschutz-Chef Fromm, der damit um Welten souveräner auftritt als sein ministerieller Chef Friedrich, der immer noch verzweifelt nach einem Internet-Radiergummi sucht, um sein Sommerzitat vom nicht vorhandenen Rechtsterrorismus zu tilgen).

Ohne Fakten dieser gigantischen Ermittler-Schar bleibt womöglich alles wie es ist. Oder passiert jetzt nach einem Kanakenwitz im Vereinslokal oder an der Familientafel schon häufiger das: „Was erzählst Du denn da für einen Mist?“ –  „Hmmm, ähhh, … …. …. Entschuldigung, bitte.“

P.S.: Da es zum Geschehen selber nach wie vor mehr Fragen als Antworten gibt, gibt es hier nichts dazu. Fast nichts. Fest steht: Selbst die angeblich ach so rechts-blinden Ermittler trieben massiven Aufwand nach dem Untertauchen des Trios – und hatten entgegen den damaligen Behördenverlautbarungen natürlich auch ganz schnell Erkenntnisse. Wenn bei einem normalen Bankräuber Aufenthaltsort (Chemnitz), Kontaktleute und diverse Adressen bekant sind – wie lange dauert es dann, bis der mit Haftbefehl gesuchte Verdächtige festgenommen ist? Zwei oder drei Wochen? Konnten, wollten oder durften die Ermittler trotz dieser Faktenlage nicht festnehmen? Schlimm genug, dass man auf Variante eins hofft.

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Wir zeigen Ihnen, wieviel Sie (uns) wert sind

Schalterraum einer Bank. Ist natürlich schon falsch, denn das heißt ja bestimmt Comfort Zone oder Customer Care Center. Egal.

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Das Care Center betritt ein nicht beschlipster und eher nachlässig gekleideter Mittvierziger. Das eher unrasierte Etwas setzt sich auf einen Stuhl vor einer der Kundenberaterinnen und will einen Dauerauftrag für die Miete ändern lassen. Die Dame, nennen wir sie Tusnelda, blickt mürrisch von der Bearbeitung ihrer silbrigen Fingernägel auf.
„Wer ist denn für Ihr Konto zuständig?“
Die Zuständige ist offenbar nicht da, also noch ein Versuch:
„Wollen Sie es denn nicht am Terminal versuchen?“
Customer bleibt ungerührt auf seinem Platz sitzen und holt einen Zettel mit den Daten heraus. Tusnelda bewegt nach einem „Na gut“ mürrisch die Silberfinger über die Tastatur. Nach dem finalen Klick hinter Customers Kontonummer ein gelangweilter Blick auf den Bildschirm, und – wieder klick – strafft sich Tusnelda, schaltet ihre Servicemine an und flötet beim Tippen der neuen Zahlen: „Die Summe bleibt gleich, mein Herr?“ War wohl eine vierstellige Summe von einem gut gefüllten Konto. Bedienter Customer kann sich beim Abgang immerhin ein kleines Schmunzelgrinsen nicht ganz verkneifen. Beobachter macht sich Gedanken über Wert(e).

P.S.: Natürlich ist auch Tusneldas Bank mit Milliarden Steuereuros minder werthaltiger Privatkunden am Leben erhalten worden. Und wer glaubt, dass Tusnelda nur die Werte ihrer Bank nicht verinnerlicht habe, glaubt auch dass Zitronenfalter…

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Ein Preis

Ein Preis, ein Preis! Hilfe, was mache ich jetzt? Jasmin Kari hat sich – bestimmt gegen den wie immer tiefgründigen Rat des lakonischen Herrn F. – entschieden, auch mir den Versatile Blogger Award zuzuerkennen.

Also erst mal herzlichen Dank!

Jetzt bin ich also gewzungen, gleich mal ein bisschen durchs Netz zu stöbern und noch ein paar Favoriten aufzutreiben, denen ich diese durchs Netz mäandernde Auszeichnung weiterverleihe – ohne dass dabei zu coole unter den interessanten Blogautoren dabei sind, die sich womöglich von so einem herumfließenden Preis unangenehm in ihrer Selbstwahrnehmnung berührt fühlen und womöglich auf ihrem Podest womöglich noch eine Stufe höher steigen, um darüber zu stehen. Also kommen in den nächsten Tagen hier ein paar Empfehlungen (als Teilzeit- und Gelegenheitsschreiber und -leser werde ich sicher nicht auf die vollen verlangten 15 kommen).
Als da wären:
Herr und Frau Müller
Beteiligte eines diplomatischen und sprachlichen Balanceakts der höchsten Schwierigkeitsstufe, gegen den die friedliche Verständigung zwischen Badischen und Schwäbischen ein Klacks ist
– Fortsetzung folgt (darf man eigentlich der Preisverleihenden den Preis ebenfalls zuerkennen? Ich würde ja gerne, aber dann droht mir vielleicht irgendeine virtuelle Strafe)

Ach ja, sieben persönliche Dinge. Hmmpff. Ich wollen und müssen doch anonym bleiben. Also mal schauen:
– Ich mag Klaviermusik (deshalb sind die Links hinter den Bildern auch ernstgemeint – ok, die meisten…), bin aber im Hören eindeutig besser und kann von den ernstgemeinten verlinkten Stücken selber nur zwei halbwegs
– Ich bin nicht (mehr) bei Facebook, weil mir „Freunde klicken“ unangenehm ist
– Zitat, das mich am meisten beeindruckt hat: „Was immer ein Mensch getan hat, er bleibt ein Mensch.“ (beeindruckend wegen der Situation, in der es gesagt wurde, als es die lauten Dünnbrettbohrer nicht einmal gedacht hätten)
– Eher Hunde- als Katzentyp
– Lieblings-Filmszene: Sally im Restaurant (nein, doch nicht DIE Szene, sondern die mit der Bestellung…)
– Lebensmaxime? Och nö, zu hochtrabend, Murphys Gesetz reicht
– Lieblingswort? Oachkatzerlschwoaf, am besten von einem Muttersprachler
Danke für die Aufmerksameit, die Sie/Ihr bitte künftig wieder eher den Beiträgen als mir widmen/t.

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Heute hat es wieder sooo schön gerankt

Die Hellseher sind unter uns. Nein, nicht die von den Ratingagenturen. Die waren doch eben erst dran. Außerdem sitzen sie wahrscheinlich gerade in Weiterbildungen „Schätzen statt Raten“. Hellsehen können auch deutsche Experten, oder zumindest üben sie es. „Sachsen ist Spitzenreiter beim Schuldenabbau“ trötete es diese Woche aus allen PR-Kanälen. Hach, endlich wieder ein Ranking. Waren doch gefühlt schon wieder eindreiviertel Tage ohne Ranking verstrichen. War das eigentlich das mit den längsten SMSn bei den Saarländern oder den niedrigsten Kühlschranktemperaturen in Berlin?

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Egal. Was wollten uns nun die expertisetriefenden Mitteiler sagen? Haben Sachsen und andere Bundesländer ihre milliardenhohen Schuldenberge abgetragen? Na ja, nicht so ganz. Das „Ranking“ maß vor allem, wieviel neue Schulden die Länder im Jahr 2013 aufnehmen werden oder nicht. 2013? Aha. Das liegt zwar noch ein wenig in der Zukunft, aber davon darf sich ein Experte auf dem Weg zu neuen Schlagzeilen nicht abhalten lassen. Er downloadet alle möglichen im Netz herumfaulenzenden Pläne und Absichtserklärungen, in denen Landesregierungen auf geduldigem Papier hehre Ziele formulieren – und nimmt sie für bare Münze. Wir sind doch in Deutschland, da wird eine „mittelfristige Finanzplanung“ auch in Wahlkampfzeiten, Konjunkturkrisen und Koalitionskrächen auf Cent und Euro genau befolgt (würden Sie bitte dieses sarkastische Grinsen unterlassen, Sie…, Sie…, Sie Besserwisser Sie).

Was so richtige Experten sind, stören sich auch nicht dran, dass sie jetzt gar nicht mal alle aktuellsten Zahlen hatten. Es funktionierte doch auch so: Alle schrieben aufgeregt über ihre jeweiligen Spitzenreiter oder Nicht-Spitzenreiter beim Schuldenabbau – als ob es ihn schon gegeben hätte und es nicht bloß um erhofften Schuldenabbau ginge (und es geht ja gar nicht um Abbau bestehender Schulden, sondern „nur“ um ein Jahr ohne zusätzliche Schuldenaufnahme…).

Eines der gut gerankten, aber bisher defizitären Länder etwa bastelt gerade mit mächtigem Eigenlob daran, für 2012 ganz bestimmt mal einen Haushalt hinzubekommen, der ohne neue Schulden auskommt. Selbst das wäre noch gemogelt, weil schuldenstarrende Geldvernichter in Schattenhaushalte ausquartiert werden. Diese Verstecke heißen dann beschönigend etwa „Sondervermögen“ – als ob dort zinsbringende Vermögen lägen und nicht mehrere hundert Millionen Euro Schulden außerhalb des eigentlichen Etats. Aber weil das Land für 2013 ganz tolle Ziele aufgeschrieben hat, rankt es weit oben…

Für ein nüchternes „Sachsen hat die weitestgehenden Pläne für weniger Neuverschuldung im Jahr 2013“ gäbe es zwar nicht ganz so fette Schlagzeilen, es hätte für Publicity aber auch noch gereicht. Schließlich muss nur das Zauberwort „Ranking“ dabeisein – diese vermeintlich vor Objektivität berstende Nebelbombe, die bei Getroffenen zuverlässig den Denkapparat lahmlegt. Da rankte mal ein Land als Top-Schulstandort wegen hoher Bildungsausgaben – egal ob ihm die gleiche Studie bescheinigte, das Geld besonders uneffektiv auszugeben. Ein Top-Wirtschaftsinstitut machte für eine Top-Wirtschaftszeitschrift eine Stadt zum „Top-Aufsteiger“, weil sie sich so gezielt auf Maschinenbau konzentriert habe. Wirtschaftsministerium, Oberbürgermeister und IHK wiesen das zwar wegen einer praktisch maschinenbaulosen Firmenlandschaft zurück, freuten sich aber trotzdem ganz doll über die Schlagzeile voller Quatsch. Alles Ranking, alles top, alles leicht irre.

P.S.-Nachtrag: Es geht noch toller: Zwei (!) Tage nach der lauten Veröffentlichung teilt die auftraggebende „Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft“ mit, es habe da einen klitzekleinen Fehler gegeben: Bei Bayern sei durch ein vertauschtes Vorzeichen statt eines Defizits von 781 Millionen Euro eigentlich ein erwartetes Plus von 254 Millionen Euro geplant. Na ja, wenn nur das Vorzeichen verdreht ist…

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