Dürfen Medien emotionale Flüchtlingsbilder und Kinder zeigen?

Dürfen Medien bei der Berichterstattung über Flüchtlinge emotionale Bilder zeigen, Bilder mit Kindern bei einer glücklichen Ankunft oder im Tränengasnebel? Sie müssen es. Sie müssen dort etwas beitragen, wo die Diskussion ihr gern verstecktes Fundament hat – in der Emotion. Sie regiert nicht nur dort, wo Menschen in ausländerfreien Orten hasserfüllt gegen „Überfremdung“ demonstrieren. Sie regiert nicht nur dort, wo Menschen für sich Meinungsfreiheit und Verzicht auf Widerspruch fordern, um noch die niederträchtigsten Beschimpfungen und Lügen gesprächsverweigernd auszukotzen.

Dröhnendes Schweigen

Emotion regiert auch dort, wo Menschen für sich reklamieren, die Verantwortungsbewussten zu sein gegen eine angeblich rein emotionale und träumerische Flüchtlingspolitik. Erwachsene Menschen halluzinieren sich die deutsche Bundeskanzlerin als verkappte Mutter Teresa herbei. Bis vor wenigen Monaten teilten sie das kaum bestrittene Bild von Angela Merkel als kühler bis kalter Politikerin, deren Weg zahlreiche politische Leichen pflasterten. Jetzt fordern die selbsternannten Realisten „Grenzen zu“ zur schlagartigen Lösung aller Probleme, verweigern aber die Antwort auf die dabei absolut zentrale Frage: Wie soll sich die EU-Außengrenze „sichern“ lassen ohne Beteiligung der Türkei?
Schweigen, dröhnendes Schweigen.
Keine Antwort zur technokratischen Frage, die am ganz Anfang des europäischen „Flüchtlingsproblems“ steht. Solange die Türkei keine Flüchtlinge von Griechenland „zurücknimmt“, heißt „Grenzen zu“ nur, innerhalb Europas Flüchtlinge mit Tränengas von Zaun zu Zaun zu scheuchen oder von einem Internierungslager zum nächsten Calais 2.0.

Anbetung St.Florians

Realitätsverweigerung wie zum Ende der DDR speist sich entweder aus Ideologie oder aus überstarker Emotion. Für harte Ideologen und Hassprediger (zu besichtigen auf „Perlen aus Freital“) reichen zur Not noch Polizei und Staatsanwälte. Die tiefer sitzende Emotion gegen Flüchtlinge und Fremde erreichen sie nicht. Sie lässt den Verstand verstummen, macht aus Bagatell- und Normalkriminalität Pauschalverdammung „der“ Flüchtlinge und verlangt ansonsten die Herrschaft St.Florians: „Verschon mein Land, treib sie woanders hin.“ Sie biegt 1+1 zu drei, um wenigstens eine Art Argument vorweisen zu können. Blankes „Die will ich hier nicht“ widerspräche ja dem gewünschten Selbstbild.

Leid und Lachen zersetzen

Dabei bräuchte es rationale und nüchterne Diskussion, angefangen beim Wie europäischer Kooperation, die das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR mit wachsender Erbitterung fordert. Es bräuchte rationale Diskussion über Aufnahmemodalitäten und –kapazitäten. Schließlich kümmert sich auch sonst jedes auf Hilfsbereitschaft gegründete Tun um Burnout-Prävention seiner Pfleger, Ärzte und Lehrer.
Doch die Emotion diskutiert im Moment am liebsten mit selektivem Schweigen und Nebelbomben der Art „Merkels Selfie-Politik ist schuld“ und „Griechenland muss seine Außengrenzen sichern“. Wo die Emotion regiert, darf ihr Reich auch betreten werden, darf sie angesprochen werden mit Bildern, die nicht zum nüchternen 1+1=2-Diskurs gehören. Die regierende negative Emotion kann nicht beanspruchen, von den sie zersetzenden Bildern verschont zu bleiben – von Bildern des Leids und des Lachens.

Von Bildern wie diesem, einem Bild des Lachens unter Menschen

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