Grünschnabel @ work

Es sind die Tage des stillen Gedenkens und der Kundgebungen in Dresden zum Jahrestag der Bombenangriffe 1945, bei denen tausende Menschen starben. Voll dabei im Meinungsgetümmel ist emsig twitternd auch Grün-Schnabel. Irgendwann am späten Abend des 13. Februar muss ihm dann ein Tweet aus den Tasten gezwitschert sein, der daneben ging. Jedenfalls kommt eine grimmige Antwort mit einem Link, der Grün-Schnabels Posting so wiedergibt:
“Blabla, Nazitäter sind keine Opfer! Angriff vollkommen gerechtfertigt und die 25000 Tote waren keine Unschuldigen!”

Einfach nur so… Ein Bild dazu und Musik per Klick.

So gibt es den Tweet auf Grün-Schnabels Seite nicht mehr, sondern eine Viertelstunde nach der Kritik twittert er: „Oma, Opa und Hans-Peter, keine Opfer, sondern Täter!“
Auf die Frage, ob der Vorwurf des Kritikers stimme, er habe den Kommentar über die Opfer als „Nazitäter“ flink gelöscht – schweigt Grün-Schnabel. Klingt leider eher so, als ob der Kritiker recht hätte.

Das ist nun für Grün-Schnabel ein Problem, denn der Kritiker schreibt ein Blog, das politisch meilenweit rechts von ihm steht – er lobt etwa die FPÖ ob ihres „Patriotismus“ in den höchsten Tönen… (bitte keinen Beifall aus dieser Ecke).

Dass der Satz über 25 000 Bombentote als Nazitäter eine falsche, herzlose und maßlos unanständige Entgleisung wäre, hat vielleicht sogar Grün-Schnabel gemerkt. Auch Wohlmeinende aus seinem Lager hatten ihn darauf hingewiesen, dass „Auge um Auge“ nicht passt (so was können Grüne guten Gewissens der FPÖ überlassen). Und auch der „Oma, Opa, Hans-Peter“-Satz passt nicht wirklich zu „#menschlich“ oben auf seiner Seite.
Er hätte bei der Geschichte des Dresden-Gedenkens sehen können, dass selbst England weit über das Denken von Bomber-Harris hinaus ist, den er in einem weiteren Tweet wie zustimmend zitiert: „Sie wollten den totalen Krieg – Wir haben ihnen gegeben nach was sie gebettelt haben“. Suchtipp für Grün-Schnäbel: Coventry Gedenken Dresden.
Fühlende Menschen auf beiden Seiten wissen es besser – und in Dresden auch schmerzhaft genau, dass – ganz kurz gesagt – erst Coventry und dann Dresden kam.

Grün-Schnabel hat nun das Problem, dass ihn jemand kritisiert, den er nicht abkann. Leute mit A. in der Hose würden sich trotzdem ganz schnell mit zusammengebissenen Zähnen entschuldigen; Mund abputzen, was gelernt und weiter geht´s. Aber doch nicht mehr oder weniger hoffnungsvolle Nachwuchspolitiker. Kein Wort des Bedauerns, statt dessen der schnippische Kommentar über Nachfragen „Ich antworte übrigens nicht auf Nazischeiße bei Twitter!“

Und er kann noch mehr. Ans mutmaßlich nachgeschobene Posting hängt er „Grüße an die geschichtsrevisionistischen Neonazis von @Vilstal, Unterhaltung pur!
„Unterhaltung pur!“.
Noch mal? Bitte: „Unterhaltung pur!“
– als hätte es keine Kritik gegeben, dass er 25 000 Tote einschließlich Kindern pauschal als Nazitäter verunglimpft habe.
Das ist wie Guttenberg bei seinem testosterongeschwängerten Auftritt vor jubelnder Hessen-CDU, obwohl Guttenplag schon das Licht angemacht hatte.
Hat mal irgend jemand gesagt, die Grünen wären inzwischen eine Partei wie alle anderen? Schade.

 

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Eine Antwort zu Grünschnabel @ work

  1. maziarworld schreibt:

    Falls Sie ruhig in die Geschichte nach dem zweiten Weltkrieg schauen würden, entdecken Sie, dass die Vorgehensweise sich bis jetzt Standfest behauptet hat.
    Wenn gar die Bäume als Täter feststanden und entlaubt, ermordet wurden, was soll der Mensch in der Wüste(Wald, Berg) tun!
    Vor ein paar Wochen hat eine 16 jährige sich beklagt, dass sie keine Schuld in sich trägt und die ganze Nazi Getue in den Medien sie ankotzt. Es war schwierig sie davon zu überzeugen, dass dies zum Teil korrekt ist, nur die Art und Weise, wie sie es tun, falsch ist.
    Ja die Deutschen haben eine viel viel größere Verantwortung, nicht nur gegen über Israel, sondern für das, was sie getan haben. Sie müssen darüber stärker wachen, dass diese Tragödie nirgendwo und zu keinem Zeitpunkt in der Welt sich wiederholt, denn sie sind den unmenschlichen Weg gegangen, den viele jetzt nachahmen.

    Die Blume ist schön, aber vergänglich. Sie soll die Schönheit, die die Blume verkörpert, in den Erinnerungen behalten und nicht die vergängliche Blume.

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