Darf man sein Kind anleinen?

Dürfen schon. Aber wer, bitte sehr, nimmt denn einen Menschen an die Leine? Diese Oma:

Klick

Gesehen auf der englischen Insel und erschrocken. Hat was von Hund kurzhalten. Kurz darauf wieder gesehen und immer noch erschrocken. Immer wieder gesehen und noch immer nicht daran gewöhnt. Zuhause im Internet gesucht und auch in D gleich schwer besorgte Forumsdiskussion gefunden: Wenn man aber doch mal am Ufer spazierengeht oder gerade aus dem Auto aussteigt und vor lauter Einkaufstüten keine Hand frei hat oder mal nett und ruhig im Café sitzen will. Doch, doch, wirklich. So, schauen wir mal: Ist das Brennesselfeld hier groß genug zum Reinsetzen? Ok, reicht. Also: Den Quark von Cafe und mal unbesorgt spazierengehen kann man knicken. Natürlich ist es nicht hip, ständig wie ein Bodyguard seinem Sprößling auf den Fersen zu sein – oder in aller Öffentlichkeit Erziehungsversuche betreiben zu müssen.

„Lea-Marie, kommst Du bitte mal her.“
„Lea-Marie, komm bitte.“
„Lea-Marie, kommst Du jetzt endlich her.“
„Leeeeaaaa-Maaariiiiieeeee!“

Missbilligende Blicke der scheinbar als Profi-Kindergärtner auf die Welt gekommenen Umstehenden, Schweißausbruch, Kind wegzerren, ernste Gardinenpredigt, Ende Spaziergang usw.

Mühsamer Erziehungskampf. Wie uncool.

Also lieber an die Leine legen. Zur Gewissensberuhigung versprechen die Hersteller, dass es ja eine „Lauflernhilfe“ sei. Na gut, Milliarden Kinder haben ohne Lauflernhilfe Laufen und ohne Stützräder Radfahren gelernt, aber geschenkt. Schließlich kommt es jetzt verantwortungsschwer: Die Leine verhindere doch, dass das Kind unter die Räder komme, wenn es „einfach mal so“ auf die Straße renne.
Stimme aus den Nesseln: In Straßennähe wird ein Kind an die Hand genommen, und ansonsten hat der/die elterliche Bodyguard im wahrsten Sinn des Wortes auf dem Sprung zu sein und einen DER Erziehungskämpfe zu führen – dass Stehenbleiben an der Straße von selber und nicht durch die gestraffte Leine ein absolutes Muss ist. Da geht´s um alles und nicht um die tiefere Liga elterlicher Selbstbehauptung mit Zimmeraufräumen, Zauberwort und Zähneputzen. Noch weiter in die Nesseln: Hunde an der Leine riskieren in riskanten Situationen (Begegnung mit anderem Hund) mehr als ohne Leine, weil ja kaum was passieren kann. So, sind jetzt alle empört und betroffen?

Und wenn nun gerade beide Eltern absolut nicht können und sich Oma – ganz schlecht zu Fuß, aber mal wieder so lieb und hilfsbereit – anbietet, ein paar Stunden mit dem agilen Enkel einen Ausflug zu machen?

Hmmpff.

Dankbar sein, Augen zudrücken und zur Ausnahme erklären wie großelterliche Großzügigkeit bei Süßigkeiten und Fernsehen? Ja? Na gut. Aber es sieht trotzdem schlimm aus.

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