An 2086 gedacht

Da steckt er jetzt fest in 46 Meter Höhe über dem Boden – zusammengequetscht in einer Kupferhülse zwischen lauter Papier und versiegelt in einer Goldkugel. Für Jahrzehnte keinen Kontakt mehr zu den Kontakten, die er bräuchte um zu sprechen. Und wenn er dann rauskommt, werden sie nichts mehr mit ihm anfangen können. Dabei sollte er doch erzählen aus der Geschichte des kleinen Dorfes, das ihn im Juli verpacken und nach oben hieven ließ:

Einfach nur so... ein Bild dazu und Musik per Klick

Einen USB-Stick schoben sie mit in die Kupferhülse voller Zeitdokumente, die für die nächsten Generationen in der goldenen Kugel an der Spitze des Kirchturms verstaut wurde. Wenn in vielleicht 75 Jahren die nächste Sanierung ansteht, werden Dörfler den Turmknopf öffnen, für die ein USB-Stick älter ist als für uns die drei Schränke von Konrad Zuses Z3, dem ersten Computer der Welt. Ob die Dörfler 2086 den vermeintlichen Großrechner vergangener Zeiten künstlerisch in eine ihrer faltbaren Rechnerbildschirmfolien verpacken oder das nächste Museum für Technikgeschichte um Rat fragen? Ob sie nachsichtig schmunzeln, wenn sie im leicht vergilbten Holzmedium Zeitung einen hypigen Artikel über Facebook, Twitter und Web 2.0 lesen – skurrile Remineszenzen einer Vergangenheit wie heute Reklame für Schellackplatten und Wochenschauen. „Was die sich auf so was einbildeten…“ Es war halt neu und Fortschritt.

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