Bitte kein Schwammgutachten von S&P

„Der Schlitten ist 1A in Schuss. Kannst mir glauben, ich bin Autoexperte.“ Geglaubt, gekauft. Drei Tage später war die 1A Karre im Arsch. Autoexperte, ja?  Klar, dass der Typ in Autofragen so schnell nichts mehr zu sagen hat.

Global Criteria Officer testiert nach Implementierung eines transparenten Evaluationsschemas ein 1A-Rating des Autos in allen relevanten Schlüsselkriterien.  Evaluiertes Auto kackt nach drei Tagen ab, Global Criteria Officer testiert am nächsten Tag vor ehrfürchtigem Kunden das nächste Auto.

Einfach nur so... ein Bild dazu und Musik per Klick.

Gibt´s nicht? Im Normalleben nicht, in der Welt der globalen Performer natürlich völlig easy. A+, ein richtig gutes Ranking, vergab die mega-kompetente Ratingagentur Standard&Poor´s (S&P) 2008 für die Bank Lehman Brothers. Drei Tage später wars mit dem Performen zumindest für Lehman vorbei, weil trotz A+ pleite. Der Autokäufer hätte zwar spätestens jetzt gedacht, dass Rating von raten kommt. Aber nicht Standard&Poor´s und seine Senior Business Systems Analysts, Risk Specialists und vermutlich auch Special Experts for Interstellar Structured Finance Management. Ungerührt testierten und rateten sie weiter.

Wer sich im realen Leben so einen fatalen Missgriff leistet, muss erst mal wieder lange und leise das verlorene Vertrauen in seine Kompetenz mit Kärrnerarbeit zurückerobern. In der Finanzwelt spielt er Kompetenz einfach weiter lautstark vor. Die Pleite der A+-gerateten Bank ignorierte S&P offenbar genauso wie hochnäsige deutsche Spitzenbanker ihr Gewinsel um immer noch mehr Milliarden Staatsknete während der Finanzkrise vergaßen. Gleich danach gab´s wieder dröhnende Belehrungen, dass sie mit all ihrer wirtschaftlichen Kompetenz (was gibt´s da zu grinsen?) vor Regulierungen im Finanzsektor warnen müssten.

Heftige mediale Haue hatten weder die Kompetenzbolzen von S&P zu befürchten noch die mit Steuergeldern geretteten Banker. Wer über den Toplevel der Wirtschaft schreibt, fabuliert meistens lieber in dessen Benchmarking-Slang als die ach so platten Kriterien des Alltagslebens anzulegen. Erzählt der Baugutachter dem Gemeinderat Mist, weil er Schwamm im Gebälk der Dorfkirche übersieht, wird er nach erfolgtem Einsturz des Kirchendachs im Lokalblatt nach allen Regeln der Kunst geplättet. Erzählt Global Criteria Officer (ja doch, so was gibts bei S&P wirklich) Mist, kommentiert Toplevel-Wirtschaftsjournalist über die inhärente Notwendigkeit eines Rating-Systems, das voll rational und transparent Marktrisiken bewertet.

Kein Wunder, dass Mega-Performer S&P sich jetzt traut, Europas Staatschefs zu erklären, wieso ihr politisches Handeln bei den mühsamen Rettungsversuchen für Griechenland mit den S&P-Kriterien unvereinbar sei.

Warum sollte man diese selbst ernannten Könige der Kompetenz nicht erst mal nackt nennen und bei jeder Gelegenheit herzhaft auslachen? Wir dürfen das. Wir haben ihnen schließlich mit unseren Steuern den Hintern gerettet.

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