Dürfen Medien emotionale Flüchtlingsbilder und Kinder zeigen?

Dürfen Medien bei der Berichterstattung über Flüchtlinge emotionale Bilder zeigen, Bilder mit Kindern bei einer glücklichen Ankunft oder im Tränengasnebel? Sie müssen es. Sie müssen dort etwas beitragen, wo die Diskussion ihr gern verstecktes Fundament hat – in der Emotion. Sie regiert nicht nur dort, wo Menschen in ausländerfreien Orten hasserfüllt gegen „Überfremdung“ demonstrieren. Sie regiert nicht nur dort, wo Menschen für sich Meinungsfreiheit und Verzicht auf Widerspruch fordern, um noch die niederträchtigsten Beschimpfungen und Lügen gesprächsverweigernd auszukotzen.

Dröhnendes Schweigen

Emotion regiert auch dort, wo Menschen für sich reklamieren, die Verantwortungsbewussten zu sein gegen eine angeblich rein emotionale und träumerische Flüchtlingspolitik. Erwachsene Menschen halluzinieren sich die deutsche Bundeskanzlerin als verkappte Mutter Teresa herbei. Bis vor wenigen Monaten teilten sie das kaum bestrittene Bild von Angela Merkel als kühler bis kalter Politikerin, deren Weg zahlreiche politische Leichen pflasterten. Jetzt fordern die selbsternannten Realisten „Grenzen zu“ zur schlagartigen Lösung aller Probleme, verweigern aber die Antwort auf die dabei absolut zentrale Frage: Wie soll sich die EU-Außengrenze „sichern“ lassen ohne Beteiligung der Türkei?
Schweigen, dröhnendes Schweigen.
Keine Antwort zur technokratischen Frage, die am ganz Anfang des europäischen „Flüchtlingsproblems“ steht. Solange die Türkei keine Flüchtlinge von Griechenland „zurücknimmt“, heißt „Grenzen zu“ nur, innerhalb Europas Flüchtlinge mit Tränengas von Zaun zu Zaun zu scheuchen oder von einem Internierungslager zum nächsten Calais 2.0.

Anbetung St.Florians

Realitätsverweigerung wie zum Ende der DDR speist sich entweder aus Ideologie oder aus überstarker Emotion. Für harte Ideologen und Hassprediger (zu besichtigen auf „Perlen aus Freital“) reichen zur Not noch Polizei und Staatsanwälte. Die tiefer sitzende Emotion gegen Flüchtlinge und Fremde erreichen sie nicht. Sie lässt den Verstand verstummen, macht aus Bagatell- und Normalkriminalität Pauschalverdammung „der“ Flüchtlinge und verlangt ansonsten die Herrschaft St.Florians: „Verschon mein Land, treib sie woanders hin.“ Sie biegt 1+1 zu drei, um wenigstens eine Art Argument vorweisen zu können. Blankes „Die will ich hier nicht“ widerspräche ja dem gewünschten Selbstbild.

Leid und Lachen zersetzen

Dabei bräuchte es rationale und nüchterne Diskussion, angefangen beim Wie europäischer Kooperation, die das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR mit wachsender Erbitterung fordert. Es bräuchte rationale Diskussion über Aufnahmemodalitäten und –kapazitäten. Schließlich kümmert sich auch sonst jedes auf Hilfsbereitschaft gegründete Tun um Burnout-Prävention seiner Pfleger, Ärzte und Lehrer.
Doch die Emotion diskutiert im Moment am liebsten mit selektivem Schweigen und Nebelbomben der Art „Merkels Selfie-Politik ist schuld“ und „Griechenland muss seine Außengrenzen sichern“. Wo die Emotion regiert, darf ihr Reich auch betreten werden, darf sie angesprochen werden mit Bildern, die nicht zum nüchternen 1+1=2-Diskurs gehören. Die regierende negative Emotion kann nicht beanspruchen, von den sie zersetzenden Bildern verschont zu bleiben – von Bildern des Leids und des Lachens.

Von Bildern wie diesem, einem Bild des Lachens unter Menschen

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Deutschland war auch mal IS – nur schlimmer

Ein unscheinbarer Leserbrief in einer Lokalzeitung zu den Bombenangriffen auf eine Stadt kurz vor Kriegsende 1945. Und am Ende eine hinterhältige Frage: „Müssen wir deutschen Zivilisten und Nachgeborene uns dafür entschuldigen?“
Hat das jemand verlangt? Zu Recht betrauern Städte ihre Toten der Bombennächte in den letzten Kriegstagen. Nur wenige Menschen versteigen sich, die Getöteten als Täter oder NS-Sympathisanten verächtlich zu machen. Getötete Kinder waren keine Nazis. NPD&Co. machen daraus eine Anklage gegen die Bombenwerfer und stilisieren Deutschland mit den Bombentoten zum Opfer. Nebenbei freuen sie sich als Islamismus-Bekämpfer über die Bombenattacken auf Stellungen und Städte der Terrormiliz IS, die Geiseln köpft und einen Piloten bei lebendigem Leib verbrannte. IS – die Hosentaschenausgabe von Deutschland zur Zeit der alliierten Bombenangriffe auf Städte wie Augsburg oder Magdeburg. Deutschland damals war wie IS, nur größer, mächtiger, grausamer.

Eine wahnwitzige selbstgemachte „Religion“? Check
Die selbstgemachte „Religion“ rechtfertigt die Tötung von selbst festgelegten Ungläubigen als wahlweise „Untermenschen“ oder „Ungeziefer“? Check
Eigenes Kalifat/Reich mit staatlichen Strukturen zur Terrorausübung? Check
Willkürliche Hinrichtungen? Check
Menschen bei lebendigem Leib verbrennen? Check
(mit deutscher Effizienz nicht einzeln, sondern beim Vormarsch im Osten zu Dutzenden in angezündeten Gebäuden)
Folter und Mord so bestialisch wie irgend möglich um maximale Terrorwirkung zu erzielen? Check
Nicht ganz mit Deutschland im Dritten Reich mithalten kann IS bei der Zahl von Millionen getöteter Menschen.

Es dürfte daher nicht ausgeschlossen sein, dass damals Menschen so auf Deutschland mit dem Etikett „Drittes Reich“ und sein Tun reagiert haben, wie heute Menschen auf das IS-Gebilde mit dem Etikett „Kalifat“ und sein Tun reagieren. Könnte man in diesen Erinnerungstagen zumindest im Hinterkopf haben.

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Pegida = Paar Erregte gönnen irrlichternde Demokraten aufscheuchen

Alle sehen klar

Alle sehen klar

Die Politik darf diese Menschen doch nicht allein lassen und muss mit ihnen reden und ihre Ängste und Sorgen aufgreifen. Sagen Politiker, ganz viele Politiker, aus ganz unterschiedlichen Lagern über die Dresdner Pegida-Demonstranten. Ein sächsischer Innenminister trifft Demonstranten, ein SPD-Vorsitzender auch.

Also so wie damals Franz-Josef Strauß beim Stuhlkreis mit besorgten Wackersdorfer Atomkraft-Gegnern, Helmut Schmidt beim konstruktiven Sit-in-Austausch mit besorgten Nachrüstungsgegnern oder Angela Merkel beim Fishbowl-Dialog mit besorgten Gegnern des „Frei“-Handelsabkommens TTIP.

Gabs nicht? Warum nicht? Bei Pegida sehen Politiker mitfühlend echte Sorgen der Demonstranten, bei den anderen sahen und sehen sie die nicht.

Finden sich diese Politiker leichter im ausländerfeindlichen Ressentiment wieder, das Pegida als den billigsten verfügbaren Treibstoff tankt – so unbraun sich die Bewegung auch anpinselt als Kämpfer gegen Islamisten, die Sachsen so heftig heimsuchen wie vereiste Straßen Saudi-Arabien. Aber ganz bestimmt wollen diese Politiker nur – wenn auch ganz bestimmt nur zähneknirschend – verhindern, dass Pedigasten eine selbstbewusste und anständige Zurückweisung der Ressentiments im Stillen beleidigt zum Hass wachsen lassen, der in Rostock gerne Ausländer hätte verbrennen sehen oder sich jetzt in Facebookpostings unter echten Namen mit Tiervergleichen und Schornsteinwünschen auskotzt.

Also reden lassen und anhören, wieviel allgemeinen Frust gegen „die da oben“ Demonstranten mit sich rumschleppen und ihn ganz mutig lieber auf Ausländer als Sündenböcke abschießen. Das wärmt den Bauch zuverlässiger als konkrete Kritikpunkte mit komplizierten Details vorzubringen.
Detailverliebt und reichlich fachmännisch hatten schließlich zuletzt die Piraten bis zur Selbstversenkung um sich gegeißelt – von schamlosem Lobbyismus über mangelnde politische Mitwirkungsmöglichkeiten bis zu den Gefahren digitaler Totalkontrolle. Ergebnis: Das Publikum sprang nicht sofort zu 100 Prozent mit 100-prozentiger Begeisterung an und die Piraten stellten beleidigt fest, dass sich das Durchhaltevermögen des seinerzeit wesentlich heftiger angefeindeten grünen Start-Ups nicht schnell mal aus dem Netz  saugen ließ. Danach beschloss der verbliebene Kreis der Interessierten, der Arbeit an dicken Brettern ein bisschen letzten Hype mit Selbstmitleid und Selbstzerfleischung  vorzuziehen.
Also weiterzappen, AfD, auch ein Kandidat für ein bisschen Selbstzerfleischung unter der auf akademisch polierten Antieuro-Hülle. Die Verführung, noch mehr ausländerfeindlichen Ressentiment-Treibstoff beizumischen, wächst. Bei Pegida hat er doch sooooo viel Schubkraft entfaltet, da könnte man doch auch noch ein bisschen mehr und noch ein bisschen und…

In der Zwischenzeit hat sich Pegida erfolgreich zerlegt und der arme sächsische Innenminister weiß bald nicht mehr, wie er die ganzen Gesprächstermine mit den besorgten Demonstrantenfraktionen abarbeiten soll. Und dann kommt ja noch das Dresdener Gedenken an die Bombennacht 1945 mit seinen vielen Demonstrationen. Sicher wird Herr Ulbig dann auch Pfarrer König nicht noch mal Ermittler über Ermittler wegen seines linken Anhangs auf den Hals hetzen, sondern sich mit ihm zusammensetzen und Sorgen besprechen. Ganz sicher.

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Gerichtsberichterstattung – nach TTIP

Da unsere Spitzenverantwortlichen mit uns nur noch kommunizieren und nicht mehr mit uns sprechen, ist die Faktenlage etwas dünn. Wenn wir Wahlbürger das aber richtig verstehen, was uns an Informationen aus Versehen erreicht oder zugestanden wird, dürfen wir uns nicht nur auf ewige Groko freuen, auf Bayern München im Dschungelcamp und Pegida in Saudi-Arabien (oder umgekehrt), sondern auch auf TTIP. Da das Partnership heißt (davor kommt noch Transatlantic Trade and Investment) geht es um Hauen und Stechen – in diesem Fall zwischen Staaten und Unternehmen. Weil die eigentlich fürs Entscheiden zuständigen Gerichte irgendwie Staat und damit bääähh sind, bringt TTIP private Schiedsgerichte mit juristischen Profis einschlägiger Anwaltskanzleien, um die Schlägereien konstruktiv und fokussiert zu richten. Nimmt man es nicht ganz so ernst wie man es eigentlich sollte, dürfte Gerichtsberichterstattung dann künftig so klingen:

IWAM kämpft gegen Deutschland um TORD Die New Yorker Niederlassung der Instellar Wealth&Asset Management Inc. (IWAM, Cayman Islands) strengt ein Schiedsgerichtsverfahren gegen Deutschland an. Die Reform von Paragraph 34c, Absatz 1 des Einkommensteuergesetzes drohe die Geschäftstätigkeit im Bereich „TORD Germany“ (Tax optimized risk diversification) zum Erliegen zu bringen. Die in der Gesetzesbegründung gebrauchte Formulierung vom „Schließen eines Steuerschlupfloches“ widerspreche in Wort und Geist einem partnerschaftlichen Umgang und ziele unmittelbar auf eine Schädigung privatwirtschaftlicher Tätigkeit im internationalen Finanzverkehr. IWAM setzt einerseits auf eine Rücknahme des Bundestagsbeschlusses und fordert außerdem eine Entschädigung in Höhe von 23,2 Millionen Euro für jeden Tag, an dem die Gesetzesnovelle in Kraft ist (Grundlage sind interne Berechnungen auf Basis der allerdings geheimhaltungsbedürftigen Geschäftszahlen).

Brain Pimp setzt auf Vergleich Brain Pimp Inc. hat eine Klage gegen den Auenland-Kreis eingereicht, da das geplante Schulinvestitionsprogramm die Gewinnerwartungen der drei örtlichen Niederlassungen für Human Ressources Empowerment schmälere. Sie haben sich in den vergangenen fünf Jahren als fokussierte Spezialisten außerschulischer Nachhilfedienstleistungen etabliert. Der vom Kreis angestrebte Leistungsanstieg der Schüler durch Investitionen in Hardware und zusätzliche Stellen für Nachmittagssbetreuung widerspreche dem bisherigen partnerschaftlichen Verhältnis und greife unverhältnismäßig in das Kerngeschäft von Brain Pimp Inc. ein. Bei einer Rücknahme der beschlossenen Kreisumlagen-Erhöhung mit Mehreinnahmen von 2,2 Millionen Euro jährlich könne der Kreis mit einem ihn finanziell kaum belastenden Vergleich rechnen, da er nur die Schäden durch den vorübergehend um 1,8  Prozent eingebrochenen Aktienkurs von Brain Pimp Inc. ausgleichen müsse. Ein konstruktiver Dialog solle darüberhinaus eine Initiative des Kreises bei der Landesregierung zur Optimierung des Stellenschlüssels für Lehrer anstoßen, um durch eine entsprechende Reduktion das partnerschaftliche Verhältnis zu Brain Pimp Inc. wieder auf eine verlässliche und vertrauensvolle Grundlage zu stellen.

Puu ja Paperi bietet Bawü Kompromiss an Die PJPT (Puu ja Paperi Työpaja, Oulu/Finnland) verlangt per Schiedsgerichtsverfahren Schadenersatz vom Landtag Baden-Württembergs. Der erweiterte Absatz 2 in Paragraf 39 seiner Geschäftsordnung, wonach Landtagsdrucksachen künftig ausschließlich als Dateien an die Abgeordneten verteilt werden, schmälere den operativen Gewinn von PJPT aus dem Papierlieferungsrahmenvertrag mit der Landesverwaltung um 1,72 Prozent. PJPT schlägt daher folgenden Vergleich vor: Der Landtag storniert den Vertrag über die Lieferung von 138 Tablets der Firma ……. für die Abgeordneten und bezieht dafür das Modell „Mato 12C-03-E5507“ von PJPT mit PFbO-App (Print File before Opening).

Wir werden mal Drucksachen

Wir werden mal Drucksachen

Knapp & kompakt Von München nach Shanghai verlegt wurde das Verfahren Niederkirchener Anzeiger gegen die Gemeinde Niederkirchen. Der Verlag wendet sich gegen den Gemeinderatsbeschluss zur Einstellung des Weihnachtsmarktes, der Berichterstattungs- und Werbegeschäft maßgeblich geprägt habe. Ende vergangener Woche war die Übernahme des Verlags durch die chinesische Quinglgang Holding wirksam geworden, was die Verlegung des Verfahrens erzwang.

Wegen Terminproblemen verschoben werden musste das Verfahren Akademics Corrections vs. Thüringen. Die Kläger werfen dem Freistaat unzulässige Schädigung von Investorenerwartungen vor, nachdem dessen Landtag per Gesetz die Verlegung privater Gefängnisbetriebe ins Ausland untersagt hatte. Der private Sicherheitsdienstleister Akademics Corrections, der im thüringischen Messfeld-Niederleuben im Auftrag des Landes ein Gefängnis betreibt, wollte den größten Teil der Einrichtung nach Guantanamo verlegen, da seine Einrichtung dort unzureichend ausgelastet sei. Ihre Rentabilität sei nun durch das Thüringer Verbot gefährdet, was das Geschäftsfeld insgesamt schädige.

Personalien Zurückgetreten sind in dieser Woche am 31.2.2019 die Finanzminister des Saarlands und Nordrhein-Westfalens. Gegen ihre Bundesländer waren fast zeitgleich Schadenersatzforderungen über 2,5 beziehungsweise 4,8 Milliarden Dollar verhängt worden, da sie Regelungen zu sogenannten Mietpreisbremsen erlassen hatten, was die Schiedsgerichte als unzulässige Schmälerung des Werts von Firmeninvestitionen werteten. Einsprüche gegen solche in nichtöffentlichen Verhandlungen ergangenen Entscheidungen sind nicht möglich, sobald Staaten einmal die Abkommen zur Anerkennung solcher privaten Schiedsgerichte geschlossen haben. Und nein – der letzte Satz ist kein Witz. Also lieber der journalistisch-seriöse Blick darauf (ZEIT)

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Bilder aus Slawjansk

Ohne großen Kommentar, ohne viele Worte und ohne Parteinahme – Bilder aus Slawjansk, zugemailt von einem Bekannten. Bilder nach seiner Aussage von ihm und Bekannten fotografiert. Sie sind kein Ersatz für Argumentation, nur ein Bild von dem, über das hier akademisch, abstrakt und oft rechthaberisch diskutiert wird. Einziger persönlicher Kommentar: Wer sagt, die Betroffenen seien selber schuld, weil sie ja mit den sogenannten Separatisten sympathisierten, stellt sich auf die gleiche Stufe wie der junge Mann ein paar Posts zuvor, der über die Opfer der Bombenangriffe auf Dresden sinngemäß sagte „Keine Opfer, alles Täter.“ Diese Art der Argumentation mag man noch Bomber-Harris selber überlassen, wir könnten weiter sein. Immerhin ist es interessant, dass sich diese meitleidslose Niedertracht unabhängig vom politischen Lager äußern kann – bei dem Grünschnabel genauso wie bei Diskutanten zur Ukraine, die einem anderen und auch durchaus etablierten Lager nahezustehen scheinen. __15 _3 _18 _28 _32 _a _b _g _j _l _o _r 1 10 22 c n x y

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Die Spur der Cover

Ufffff. Kann es nicht mal gut sein? Nur noch Schwallköpfe, Besserwisser, Hysteriker und Möchtegern-Hetzer unterwegs, egal ob es ums mordende Neonazi-Trio geht, Missbrauch des Dresdner Gedenkens, BuPrä-Kandidaten oder gleich noch das versteckte Hetzen im europaakte-Blog… Pause. Musik. Bisschen bei YouTube stöbern. Was da alles an Videos dazugestellt wird… Egal, geht ja nur um die Musik, wie hier bei Jems „They“ Klingt nicht schlecht, ist halt nur nicht echt. Doch, schon echt gesungen, aber halt gezogen, gestohlen und geraubt. Ist aber so ein massiv unverwüstliches Stück Musik, dass es (fast) alles aushält – und mit jedem Instrument ganz neue Seiten zeigt. Wie wärs mit Marimba: So Aufwachen, es geht auch mit mehr Drive (wer das Instrument mag – ab 2:50 zeigt es eine seiner Stärken): Jetzt aber langsam back to the roots, geschrieben wurde es schließlich für ein Saiteninstrument. Also mal hören, wie´s mit Gitarre klingt: Klingt beruhigend. Es steckt aber viel mehr drin. Deshalb zum Original auf dem originalen Instrument, gespielt von einem, den wahrscheinlich kaum jemand damit in Verbindung bringen würde. Keith Jarrett, einer DER modernen Meister an den (Jazz-)Tasten, zeigt jetzt, warum der Komponist schon in jungen Jahren von knickrigen und eher wenig musikbewanderten Kommunalpolitikern mit Spitzengehältern gejagt wurde, die die Städte nie vorher oder nachher jemals wieder zahlten: Dummerweise gilt das Instrument heute als altmodisch und zopfig, so dass man jetzt mühsam nach Klavierversionen suchen muss. Ich bin nicht wirklich erfolgreich gewesen und habe als bisherigen Favoriten zunächst eine mehr entspannte als fetzige Version und als flottere Version und biete deshalb jedem einen Link auf sein Blog, der eine an Jarrett heranreichende Klavierversion bieten kann – aber bitte nicht die Trauermarsch-Versionen, die es vor allem aus weiblichen Fingern gibt – und einen weiteren Link für jede Interpretation einer SIE, die die eigentlich fetzig übers Seufzen siegenden Stücke NICHT in gespielter Sentimentalität ertränkt (ok, eine hab´ ich selber schon gefunden). Der Komponist war weder sentimental noch so humorlos, wie ihn diese ewigen Perückenbilder zeigen. Für mich bleibt er der Typ auf dem Denkmal in Arnstadt (bitte googeln) – und der hätte selbst über diese Version hier schmunzeln können, oder? (@Puristen: bitte nicht anklicken) 😉  😉  😉 In einer YouTube-Doku über die Swingle Singers sagt einer der Beteiligten über den Komponisten den wunderschönen Satz, den ich durch Pseudo-Übersetzung nicht entstellen will: „You can approach that music at so many ways that it is simply mind-boggling – a mystery.“ Wollen oder müssen wir jetzt wieder in die Welt der Hetzer und Rechthaber zurück?

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Grünschnabel @ work

Es sind die Tage des stillen Gedenkens und der Kundgebungen in Dresden zum Jahrestag der Bombenangriffe 1945, bei denen tausende Menschen starben. Voll dabei im Meinungsgetümmel ist emsig twitternd auch Grün-Schnabel. Irgendwann am späten Abend des 13. Februar muss ihm dann ein Tweet aus den Tasten gezwitschert sein, der daneben ging. Jedenfalls kommt eine grimmige Antwort mit einem Link, der Grün-Schnabels Posting so wiedergibt:
“Blabla, Nazitäter sind keine Opfer! Angriff vollkommen gerechtfertigt und die 25000 Tote waren keine Unschuldigen!”

Einfach nur so… Ein Bild dazu und Musik per Klick.

So gibt es den Tweet auf Grün-Schnabels Seite nicht mehr, sondern eine Viertelstunde nach der Kritik twittert er: „Oma, Opa und Hans-Peter, keine Opfer, sondern Täter!“
Auf die Frage, ob der Vorwurf des Kritikers stimme, er habe den Kommentar über die Opfer als „Nazitäter“ flink gelöscht – schweigt Grün-Schnabel. Klingt leider eher so, als ob der Kritiker recht hätte.

Das ist nun für Grün-Schnabel ein Problem, denn der Kritiker schreibt ein Blog, das politisch meilenweit rechts von ihm steht – er lobt etwa die FPÖ ob ihres „Patriotismus“ in den höchsten Tönen… (bitte keinen Beifall aus dieser Ecke).

Dass der Satz über 25 000 Bombentote als Nazitäter eine falsche, herzlose und maßlos unanständige Entgleisung wäre, hat vielleicht sogar Grün-Schnabel gemerkt. Auch Wohlmeinende aus seinem Lager hatten ihn darauf hingewiesen, dass „Auge um Auge“ nicht passt (so was können Grüne guten Gewissens der FPÖ überlassen). Und auch der „Oma, Opa, Hans-Peter“-Satz passt nicht wirklich zu „#menschlich“ oben auf seiner Seite.
Er hätte bei der Geschichte des Dresden-Gedenkens sehen können, dass selbst England weit über das Denken von Bomber-Harris hinaus ist, den er in einem weiteren Tweet wie zustimmend zitiert: „Sie wollten den totalen Krieg – Wir haben ihnen gegeben nach was sie gebettelt haben“. Suchtipp für Grün-Schnäbel: Coventry Gedenken Dresden.
Fühlende Menschen auf beiden Seiten wissen es besser – und in Dresden auch schmerzhaft genau, dass – ganz kurz gesagt – erst Coventry und dann Dresden kam.

Grün-Schnabel hat nun das Problem, dass ihn jemand kritisiert, den er nicht abkann. Leute mit A. in der Hose würden sich trotzdem ganz schnell mit zusammengebissenen Zähnen entschuldigen; Mund abputzen, was gelernt und weiter geht´s. Aber doch nicht mehr oder weniger hoffnungsvolle Nachwuchspolitiker. Kein Wort des Bedauerns, statt dessen der schnippische Kommentar über Nachfragen „Ich antworte übrigens nicht auf Nazischeiße bei Twitter!“

Und er kann noch mehr. Ans mutmaßlich nachgeschobene Posting hängt er „Grüße an die geschichtsrevisionistischen Neonazis von @Vilstal, Unterhaltung pur!
„Unterhaltung pur!“.
Noch mal? Bitte: „Unterhaltung pur!“
– als hätte es keine Kritik gegeben, dass er 25 000 Tote einschließlich Kindern pauschal als Nazitäter verunglimpft habe.
Das ist wie Guttenberg bei seinem testosterongeschwängerten Auftritt vor jubelnder Hessen-CDU, obwohl Guttenplag schon das Licht angemacht hatte.
Hat mal irgend jemand gesagt, die Grünen wären inzwischen eine Partei wie alle anderen? Schade.

 

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